Sauna & Co.: Jahreshauptversammlungen der Herstellerverbände 2026

Neustadt an der Weinstraße, 27. April 2026 – Im Haus der Industrieverbände (IVN) in Neustadt an der Weinstraße kamen die Mitglieder des Bundesfachverbandes Saunabau, Infrarot- und Dampfbad e.V. und der Gütegemeinschaft Saunabau, Infrarot-Wärmekabine und Dampfbad e.V. zu ihren diesjährigen Jahreshauptversammlungen zusammen. Im Mittelpunkt standen wirtschaftliche Herausforderungen, normative Entwicklungen und die Einführung eines neuen Herkunftszeichens „Made in Germany“. DIe Mitglieder hatten sich bereits am Vorabend zu einem geselligen Abend


Finanzielle Stabilität und personelle Wechsel

Die Verbände bleiben trotz schwieriger Rahmenbedingungen finanziell stabil, wie Geschäftsführer Clemens Lüken und der Verbandsvorsitzende Philipp Rock (Klafs) berichteten. Vorstand und Geschäftsführung wurden einstimmig entlastet, kleinere Satzungsänderungen einstimmig verabschiedet.

Ein emotionaler Höhepunkt war die Verabschiedung von Günther Knopp, der nach 42 Jahren bei Nordö – davon 12 Jahre in Führungspositionen der Verbände – in den Ruhestand wechselt. Sein Sohn Sebastian Knopp übernimmt nicht nur die Geschäftsführung von Nordö, sondern wurde auch als neuer Stellvertreter im BSB und Vorsitzender der RAL-Gütegemeinschaft gewählt.

Neu gewählt wurden:

  • Bundesfachverband: Philipp Rock (Klafs) als Vorsitzender, Sebastian Knopp (Nordö) als stellvertretender Vorsitzender. Weitere Vorstände: Josef Gunsch (Physiotherm) und Marco Schneider (Röger).
  • RAL-Gütegemeinschaft: Sebastian Knopp (Nordö) als Vorsitzender, Philipp Rock (Klafs), Josef Gunsch (Physiotherm) und Marco Schneider (Röger).
  • Güteausschuss: Sebastian Knopp (Nordö) als Vorsitzender mit Philipp Rock, Josef Gunsch (Physiotherm) Ludwig Veith und Clemens Lüken.
  • Rechnungsprüfer: Dr. Norbert Giebeler und Maik Berger.

Wirtschaftliche Lage: Zwischen Stagnation und Hoffnung

Die Branche steht vor Herausforderungen, wie Philipp Rock (Klafs) in seinem Bericht darlegte:

Die derzeitige Exportschwäche Deutschlands sowie eine stagnierende Binnennachfrage belasten nicht nur die Sauna-Wirtschaft. Die Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser liegen auf einem historischen Tiefstand, auch wenn eine leichte Erholung am Horizont zu erkennen ist.

Energiekosten und Inflation dämpfen die privaten Konsumausgaben. Dennoch bleibt Wellness ein positiv besetztes Thema, das zunehmend auch ein jüngeres Publikum anspricht.

Konservative Planung ist das Gebot der Stunde: Rock riet den Mitgliedsunternehmen zu soliden Jahresplanungen und betonte, dass Qualität und Individualisierung entscheidend seien, um die Kurve zu kriegen.

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Clemens Lüken ergänzte die gesamtwirtschaftliche Perspektive:

  • Bauinvestitionen zeigen leichte Belebungen (+1,7 % in 2026), doch die privaten Konsumausgaben bleiben schwach.
  • Die Flut an Vorschriften und Auftragsmangel führen zu Stornierungen und Unsicherheit.
  • Die Inflationsrate liegt über dem Zielwert von 2,0 %, während das BIP stagniert.

Normung und Sicherheit: Aktuelle Entwicklungen

Ein zentrales Thema bleibt die Normung von Sauna- und Infrarotkabinen:

  • Die EN 60335 wurde verabschiedet, doch das Thema Glastemperaturmessung bleibt weiterhin relevant, da bei Saunen Glas eine immer stärkere Rolle spielt.
  • Experten aus der Branche sind in die zuständigen Kommissionen entsandt worden, um praktikable Lösungen zu erarbeiten.

Neues Herkunftszeichen: „Made in Germany“ für die Saunabranche

Es folgte die Vorstellung des neuen Herkunftszeichens „Made in Germany“ durch Kai Lambertz von der Gesellschaft für Klimaschutz (GfK) in München:

  • Das Zertifikat bescheinigt, dass mindestens 55 % des produktbezogenen Fertigungswerts in Deutschland erbracht werden.
  • Die Zertifizierung basiert auf einer Dokumentenprüfung und wird alle zwei Jahre überprüft.
  • Nutzen: Besonders relevant für Förderanträge der EU und als Marketinginstrument gegen ausländische Konkurrenz.
  • Die Möglichkeit das Siegel einzusetzen bleibt jedem Unternehmen selbst überlassen.

Lambertz betonte: „Konsum ist heutzutage politisch, Herkunft ein Statement.“


Mitgliederbestand und Akquisition: Ein Appell an die Branche

Die Verbände verzeichneten zwei prominente Austritte:

  • Landesmesse Stuttgart
  • Corso Sauna Manufaktur

Dies hinterlässt eine Lücke im Budget, die durch Neumitglieder geschlossen werden soll. Philipp Rock warb dafür, gezielt auf potenzielle neue Mitglieder zuzugehen. Große Player wie Klafs, Harvia/EOS und Wedi sind bereits dabei, doch es braucht weitere Mitglieder.

Zudem wurde die bessere Vermarktung des RAL-Gütezeichens diskutiert:

  • Kosten-Nutzen-Analyse für Print- und Social-Media-Werbung.
  • Breitenstreuung weniger, aber hochwertiger Artikel (z. B. über die AKZ).

Ausblick: Nachhaltigkeit und langfristige Strategien

Die Verbände setzen auf eine nachhaltige, langfristige Ausrichtung:

  • Thema Wellness und Longevity soll stärker in die Massenkommunikation getragen werden.
  • KI wird den Saunabauer nicht ersetzen, doch digitale Tools können die Branche unterstützen.
  • Die nächste Jahreshauptversammlung findet am 22./23. April 2027 wieder in Neustadt an der Weinstraße statt.
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Fazit: Gemeinsam das Thema Sauna voranbringen

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten zeigt sich die Branche zukunftsorientiert. Mit neuen Zertifizierungen, normativen Fortschritten und gezielter Mitgliedswerbung wollen die Verbände ihre Position stärken. Wie Philipp Rock betonte: „Es liegt Potenzial darin, mehr über das zu sprechen, was wir tun.“